„Haben Sie Erbarmen mit den Menschen, die Angst haben, Herr Präsident!“ Es kommt nicht häufig vor, dass eine us-amerikanische Bischöfin aufgrund einer Predigt in unserer Medienberichterstattung Erwähnung findet. Mit ihren mahnenden Worten hat es Bischöfin Mariann Edgar Budde geschafft, auch jenseits des Atlantiks für – positive – Aufmerksamkeit zu sorgen.
Gerichtet waren die Worte an US-Präsidenten Donald Trump während des Gottesdienstes anlässlich seiner Inauguration in der National Cathedral in Washington Mitte Jänner. Mit ihrer mutigen Stellungnahme erhob sie die Stimme für Migrant*innen gleichermaßen wie für die LGBTIQ+ Community, die unter der neuen Regierung Verfolgung, Abschiebung und Diskriminierung zu befürchten hat. Mit ihrem klaren Bekenntnis aus christlicher Überzeugung heraus hat sie Mut bewiesen.
Mut und Bekenntnis, Mut zum Bekenntnis, das gehört sehr oft zusammen. Ich denke da etwa an demokratische Politiker*innen im Osten Deutschlands, die regelmäßig von Rechtsextremen bedroht oder gar Opfer politischer Gewalttaten werden. Oder an Propst Steffen Paar von der evangelisch-lutherischen Nordkirche in Deutschland, der aufgrund seiner religiösen Haltung und seiner Homosexualität mit Drohbriefen einer Gruppe eingeschüchtert werden soll, die sich als „Sturmfront Schleswig- Holstein – Patriotischer Untergrund der AfD und Bauernschaft!“ bezeichnet. Ihnen gilt mein Respekt und meine Solidarität!
Freilich, nicht alle sind so mutig. Ich denke da an mich. Aber auch an Petrus, der Jesus kurz vor seinem Tod verleumdete. Und trotzdem zu Ostern Zeuge der Auferstehung wurde.
In ihrem Buch „How We Learn To Be Brave”, das dieser Tage auch auf Deutsch erscheint, gibt Bischöfin Budde zehn Anleitungen zum Mutigsein. Ein Vorschlag spricht mich besonders an: „Manchmal sind es die ganz kleinen, unscheinbaren Entscheidungen in Treue zur eigenen Überzeugung, die zu etwas viel Größerem hinführen.“
Ich wünsche uns in dieser Zeit Mut zum Bekenntnis und Mut zum Scheitern.
Ihr Stefan Fleischner-Janits