Geschenke, Christbaumkugeln, Weihnachtsgans –
für das Fest der Feste gibt es in vielen Familien ganz
Vorstellungen. Alles hat seinen gewohnten Lauf und die
eingeübten Traditionen sind so selbstverständlich, dass
gar nicht mehr darüber nachgedacht wird. Es sei denn,
etwas läuft schief. Wenn das Spielzeug, das sich die
Enkeltochter wünscht, auch im Internet nicht erhältlich
ist. Wenn die Schachtel mit den Christbaumkugeln, die
schon am Baum hingen, als man selbst Kind war, im
Keller einfach nicht auffindbar ist. Oder wenn plötzlich
die halbe Familie aus Vegetarier*innen besteht und eine
ganze Gans zu viel ist für die Wenigen, die noch Fleisch
essen. Und wenn einem dann noch der Teenager-Sohn
kurz vorm Heiligen Abend offenbart, dass er heuer den
24. 12. lieber mit seiner neuen Freundin bei ihren Eltern
verbringt, bleibt nicht viel übrig von dem, was Weihnachten
einmal war.
Als Pfarrer kann ich es mir hier leicht machen und
sagen: „Aber, aber! Darum geht es doch gar nicht bei
Weihnachten.“ Nun ja, das wissen Sie vermutlich selbst.
Ich kenne das ja auch von mir: rund ums Fest gibt es
auch für mich Traditionen und Gewohnheiten, die mir
heilig sind – und nicht alles davon hat mit Religion
zu tun. Und gleichzeitig: so ganz unrecht hätte ich
damit vermutlich nicht. Im Mittelpunkt
steht etwas ganz Einfaches:
die Geburt eines Kindes. Aber mit
diesem Kind verbinden Menschen
seit 2000 Jahren etwas ganz Besonderes.
Als Christ*innen glauben wir:
In Jesus kommt Gott selbst zur Welt.
Er bleibt nicht auf Distanz, sondern
wird Teil unseres menschlichen
Lebens. Mit allem, was dazugehört.
Vielleicht liegt gerade darin eine der schönsten
Botschaften von Weihnachten: Gott kommt nicht in
eine Welt, in der alles in Ordnung ist. Nicht in eine
Familie, in der alles nach Plan läuft. Die Weihnachtsgeschichte
erzählt von Menschen, die unterwegs sind,
von einer Geburt unter schwierigen Umständen und
von einer Zukunft, die noch völlig offen ist. Und gerade
dort, mitten im Unvollkommenen, kommt Gott uns
Menschen nahe.
Ihr Pfarrer Stefan Fleischner-Janits